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Fotografie: Livia mit Jessica (3. Primarklasse) Seit es das Centro Educativo Comunitario "Yampuc" gibt, das heisst seit 1990, entstehen Freundschaften zwischen Guatemaltekinnen und Guatemalteken einerseits, Schweizerinnen und Schweizern anderseits.Unsere Freundinnen und Freunde sind Menschen mit einem besonders grossen Herz, welche das CECY näher kennen lernen möchten. Es ist nicht wichtig, ob wir nah oder fern voneinander leben, was zählt ist die Zuneigung und die umfassende Unterstützung der Kinder und der Lehrkräfte unserer Schule. Dieses Jahr hatten wir das Glück, gerade von drei jungen Frauen aus der Schweiz besucht zu werden, die alle voller Begeisterung mitarbeiteten und dabei zeigten, dass sie viel Einfühlungsvermögen besitzen, dass sie im wahrsten Sinn humanistisch gebildet sind und dabei ihre Pflichten sehr ernst nehmen: Andrea Mueller, Sonja Barbara Liechti und Livia Boscardin. Alle drei haben ihre ganz besonderen Begabungen, die sich in den Aktivitäten wiederspiegelten, welche sie am CECY realisierten. So leisteten sie zwischen März und Mitte Juli einen bemerkenswerten Beitrag zur Ausbildung der Kinder von San Pedro Ayampuc.
Andrea arbeitete in verschiedenen Gebieten bei der Planung und Durchführung von Projekten mit. Sie übte mit den Kindern der Primarklassen Lesen und Schreiben, förderte sie in ihrer Beweglichkeit und war vor allem im Handarbeitsunterricht sehr aktiv. Dabei führte sie verschiedene didaktische Spiele ein. An der Sekundarstufe führte sie im Fach Werken zwei Projekte durch. Einerseits ging es um Gesundheitsfragen, anderseits bastelte sie mit den Schülerinnen und Schülern Armbänder, Schmuckspiegel für den Muttertag und Schlüsseletuis für den Vatertag. Auch dem Naturkundeunterricht gab sie Impulse und zwar in einem Projekt, das dem Umgang mit Wasser gewidmet war. In Gruppen erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler Zeichnungen. Aber auch die praktische Anwendung der Erkenntnisse fehlte nicht, denn es wurde mit Röhren aus PVC - inklusive Winkelstücken - Schläuchen und anderen Materialien gearbeitet.
Fotografíe: Eine Schülerin und ein Schüler arbeiten am Wasserprojekt. Interview mit Andrea: 1. Wie bist du auf die Idee gekommen, nach Guatemala zu reisen und am CECY zu arbeiten? Weil ich eine Schule in einem anderen Land mit einer anderen Kultur kennen lernen wollte. Ausserdem wollte ich eine andere Sprache erlernen, und da gefiel mir das guatemaltekische Spanisch ganz besonders. Das CECY kannte ich, weil im Institut Unterstrass, wo ich zur Lehrerin ausgebildet worden bin, Lehrkräfte unterrichten, welche vom Colegio berichteten, das sie selbst schon besucht hatten. 2. Von wann bis wann warst du in Guatemala? Ich kam am 7. Februar in Guatemala an und war dann vom 6. März bis zum 3. Juni in San Pedro Ayampuc am CECY. 3. Wovor hattest du am meisten Angst, bevor du hierher kamst? Magenprobleme zu haben. 4. Was gefiel dir am CECY am meisten? Dass ich die Möglichkeit hatte, mit den Kindern und den Lehrkräften aller Stufen zusammen zu arbeiten und dass ich die verschiedensten Projekte in allen möglichen Fächern durchführen konnte, welche vor allem den Kindern zu gute kamen, mit denen ich arbeitete. 5.Und was gefiel dir denn weniger an unserer Schule? Manchmal störte es mich, dass einzelne Personen nicht immer pünktlich waren, und dass deshalb die Dinge nicht zu dem Zeitpunkt durchgeführt wurden, der eigentlich vorgesehen war. So musste ich SEHR oft warten und verlor damit Zeit, die ich dazu hätte brauchen können, mit den Kindern zu arbeiten. 6. Was denkst du am Ende deines Aufenthaltes von der Schule? Ich habe in diesen Wochen viele neue Erfahrungen gesammelt. Das CECY hat mir eine grosse Zahl Ideen vermittelt, die es mir erlauben werden, besser Schule zu geben. Ich bin glücklich zu wissen, dass es am CECY zahlreiche Menschen gibt, die ihre ganze Energie in den Unterricht investieren und so einen Beitrag dazu leisten, dass die Kinder von San Pedro Ayampuc eine bessere Zukunft haben. 7 Was wirst du jenen sagen, welche wie du am CECY ein Praktikum machen möchten? Sie sollen neugierig sein, sie sollen mit dem Wunsch hingehen, von den Lehrerinnen und Lehrern des Colegio etwas zu lernen. Sie sollen ein offenes Herz haben, aber gleichzeitig ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigenen Ideen einbringen.
Sonja Barbara führte an der Primarschule didaktische Spiele ein, las und schrieb mit den Kindern. Ausserdem bastelte sie oft, sei es mit Kreiden oder wegwerfbaren Gefässen. Es entstanden Walfische aus Glas, Bleistifthalter, Taschen zum Muttertag, abnehmbare Umschläge für Hefte oder Kerzenständer. Sonja Barbara half auch in Mathematikstunden mit und entwarf Zeichnungen für das kleine Kaqchikel-Wörterbuch, das im Moment entsteht. In den Sekundarklassen setzte sie sich voll für den Englischunterricht ein, erklärte sprachliche Schwierigkeiten, sang und spielte mit den Schülerinnen und Schülern. Daneben unterstützte sie die Lehrerin im Werkunterricht, Imelda Pedroza, indem sie einen ganz neuen Kurs vorschlug: Wie lerne ich mich selbst kennen? Sie führte dabei mit den Klassen Übungen durch, welche es den Beteiligten erlaubten, ihre fünf Sinne bewusst einzusetzen. Mit der Sportkommission organisierte sie eine neue Meisterschaft, damit Schülerinnen und Schüler, so dass Lehrerinnen und Lehrer des CECY eine weitere Gelegenheit bekamen, sich gemeinsam sportlich zu betätigen und sich körperlich in Form zu halten.
Fotografíe: Eingefärbte Taschen - eine Bastelarbeit in der 3. Primarklasse.
Mit den Kindern der Primarschule machte Livia Lese- und Schreibübungen. Ausserdem förderte sie auch die allgemeine Beweglichkeit der Schülerinnen und Schüler. Unter ihrer Anleitung entstanden im Handarbeitunterricht Fotorahmen für den Vatertag, Topflappen für die Küche, Plüschtiere, Kätzchen aus Wolle, kleine Papgeien aus Leinen, Frottee und Filz.
Fotografíe: Schülerinnen und Schüler der 1. Primarklasse zeigen ihre Fotorahmen. Livia beteiligte sich auch an Theatervorstellungen zum Thema Legenden und Bräuche Guatemalas. Schliesslich half sie den Jugendlichen mittels Spielen im Mathematikunterricht. Nicht vergessen sollten wir, dass Livia Imelda Pedroza und die Mütter auch bei der Zubereitung und der Verteilung des Atol unterstützte.. An der Sekundarschule war Livia wie Sonja Barbara im Englischunterricht aktiv. Schliesslich soll vermerkt sein, dass sie den Jugendlichen einige Brocken Schweizerdeutsch beibrachte! Hier einige Bemerkungen von Livia zu ihrem Aufenthalt am CECY 1 Von wann bis wann genau warst du an unserer Schule? Ich kam am 23. Mai an und blieb bis zum 8. Juli. 2 Warum hast du dich entschlossen, am CECY als Lehrerin mitzuarbeiten? Zwischen dem Maturitätsexamen und dem Beginn meines Universitätsstudiums habe ich acht freie Monate. Ich wünschte mir, in dieser Zeit eine soziale Freiwilligenarbeit zu leisten und gleichzeitig eine andere Kultur und ein anderes Land kennen zu lernen. Lateinamerika interessierte mich sehr, vor allem auch wegen der schönen Sprache. So suchte ich eine Organisation, welche einen solchen Einsatz in Südamerika vermittelt. Von meiner Schulzeit her kannte ich das CECY. Ich informierte mich über Guatemala allgemein und über das CECY auf der Internetseite. Die Schule gefiel mir, vor allem, weil sie den Unterricht gemäss den Bräuchen der Mayas gestaltet. 3. Hattest du bestimmte Befürchtungen, bevor du hierher kamst? Das Bild, das wir in der Schweiz von Guatemala haben, ist das eines Landes, welches eine Menge sozialer Probleme hat, allgemeine Gewalt, Arbeitslosigkeit, Überbevölkerung etc. Deshalb waren meine grössten Befürchtungen, bestohlen zu werden oder so was... Was die Arbeit an der Schule anbelangt, befürchtete ich, wegen meiner zu Beginn mässigen Spanischkenntnissen und meiner mangelnden Erfahrung als Lehrerin gar nicht viel tun zu können. 4. Was gefiel dir in der Schule am besten? Was mir am meisten gefiel, war die grosse Dankbarkeit seitens der Lehrkräfte und der Schülerschaft, die fröhliche Atmosphäre und die Flexibilität der Lehrerinnen und Lehrer, wenn es darum ging, etwas Neues zu entwickeln. 5. Und was gefiel dir weniger? Es gefiel mir nicht besonders, dass einzelne Lehrkräfte beinahe zu flexibel waren, das heisst, dass nicht immer alle sehr zuverlässig waren. So war es manchmal schwierig, etwas zu planen. Es gab auch Momente, da es mir in gewissen KLassen etwas an Disziplin fehlte. 6. Was denkst du jetzt, am Ende deines Aufenthaltes am CECY? Ich denke, dass das CECY eine Schule ist, die einen wesentlichen Beitrag zum Gedeihen der Bevölkerung von San Pedro Ayampuc leistet, vor allem auch, weil sie Kinder aus minderbemittelten Familien den Schulbesuch erlaubt. Ausserdem gehört das CECY zu den wenigen Schulen Guatemalas, welche die Werte der Mayakultur hochhalten und den Schülerinnen und Schülern in speziellen Kursen auch vermitteln. Ich denke, dass das Colegio Educativo Comunitario Yampuc eine Schule ist, welche ein grosses Potential hat, das bestimmt ausgeschöpft wird, wenn alle bereit sind, an möglichen Verbesserungen zu arbeiten. 7 Noch ein letzter Kommentar? Für mich war es eine unvergessliche und wunderbare Zeit. Ich bedaure überhaupt nicht, mich dazu entschlossen zu haben, hierher zu kommen. Vielen Dank allen jenen, die meinen Aufenthalt erleichtert haben. Wenn jemand Lust hat, eine solche Erfahrung zu machen, kann ich ihn nur dazu ermutigen. Texte
und Interviews: Víctor Manuel Per Pichiyá (Uebersetzung Jurik Rockenbach)
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